Sprenkeltropfen mit @Herbstglut
Frostperlen zeichneten sich auf den Laubblättern ab. Ein Zeichen dafür, dass der Blattfall bald zu Ende sein würde und der Blattleere Platz machen musste. Sprenkeltropfen machte dies nichts aus. Zwar war Blattfall ihre Lieblingsjahreszeit, doch die Blattleere war noch immer besser als die Blattgrüne, auch wenn sie die Blattfrische lieber hatte als die kälteste Jahreszeit. Eine Ursache für die Abneigung zur Blattgrüne war ihr sehr dichtes und dadurch sehr wärmendes Fell. Währenddem sie in der wärmsten Jahreszeit verzweifelt von Schattenplätzchen zu Schattenplätzchen tigerte, holte sie in den kühleren Jahreszeiten alles aus sich heraus und erzielte sehr gute Jagderfolge. So war sie schon vor Sonnenhoch zielstrebig mit der ersten Patrouille losgezogen und hatte eine frische Amsel und dazu noch eine köstliche Wühlmaus erbeutet. Nachdem sie ihren Fang auf den Frischbeutehaufen gebracht hatte, säuberte sie sorgfältig ihr in verschiedenen Brautönen gesprenkeltes Fell, sodass die Tigerstreifen wieder sehr hübsch zur Geltung kamen. Früher, als sie noch Schülerin war, hatte sie immer über die Kriegerinnen abgelästert, welche sich täglich einer sorgfältigen Fellpflege unterzogen. Doch nun hat sie erkannt, wie gut es einem selbst tut, wenn man sich im eigenen Körper wohl und sauber fühlt. Da hat man gleich viel mehr Energie für den Tag. Da Sprenkeltropfen keine Katze ist, die gerne alleine ist, hielt sie mit ihren gelb-grünen Augen Ausschau nach einem Gesprächspartner. Elegant trottete sie in Richtung Lagermitte, als sie Herbstglut mit etwas steifen Bewegungen von der Seite näherkommen sah. Sie drehte sich zu ihm um, doch er schien sie gar nicht wirklich bemerkt zu haben und lief prompt in sie hinein. Währenddem der rötlich getigerte Kater sich bei ihr entschuldigte, bemerkte Sprenkeltropfen sein völlig zerzaustes Fell – jenes Fell, das noch übrig war bei ihm. Herbstglut wirkte müde wie immer, obwohl er erst grad aus dem Kriegerbau gekommen war. Dies schien die These von Sprenkeltropfen zu bestätigen, dass eine fehlende Fellpflege für eine solche Schwere sorgen würde, dass es einem einen großen Teil der Energie raubte. „Schon okay, kann ja mal passieren“, antwortete Sprenkelpfote gelassen. Sie hatte Gerüchte über Herbstglut gehört: Sein Augenlicht würde zunehmend schlechter werden. Sprenkeltropfen wusste natürlich nicht mit Sicherheit, ob diese Gerüchte auch wirklich stimmten oder ob sie nur darauf zurückzuführen waren, dass Herbstglut in letzter Zeit etwas langsamer unterwegs war. Denn eigentlich konnte sie kaum glauben, dass ihm einer seiner Sinne fehlte, da er doch als einer der besten Jäger im Clan bekannt war. Oder hatte er in letzter Zeit etwa nicht mehr so gute Jagderfolge erzielt? Zumindest hatte Sprenkeltropfen nichts dergleichen über ihn gehört. „Magst du dich etwas mit mir unterhalten?“, fragte Sprenkeltropfen, noch immer auf der Suche nach Gesellschaft. Vielleicht war an der Sache mit dem Augenlicht aber doch etwas dran. Schließlich war er eben in sie hineingestolpert und vielleicht hatte es ja etwas mit den auffälligen Krallenspuren über den Augen zu tun. Kampfverletzungen können bekanntermaßen dazu führen, einen oder mehrere Sinne zu verlieren. Und Herbstglut war ja nur so übersäht von Kampfzeichnungen. „Meine ich das nur, oder ist heute nicht so dein Tag? … Vielleicht kann dich ja etwas Frischbeute in Stimmung bringen. Magst du welche mit mir teilen?“, miaute sie mit Blick zum Frischbeutehaufen. „Ich habe vorhin diese Amsel und die Wühlmaus erbeutet, war bei der Sonnenhochpatrouille dabei.“ – die Beutestücke lagen noch immer auf dem Frischbeutehaufen.